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Oracle VM VirtualBox und Windows XP/Vista

Ein bestehendes Windows-System in VirtualBox integrieren

Immer wieder besteht Unsicherheit darüber, wie man unter Linux ein bereits vorhandenes Windows-System ohne Neuinstallation in VirtualBox einbindet.
In diesem Artikel werden alle erforderlichen Schritte beschrieben, um ein vorhandenes XP- oder Vista-System unter Virtualbox zu integrieren.


Achtung – diese Anleitung gilt nicht für Windows7, da dort weitere Anpassungen erforderlich sind, die ich mangels eines Windows7-Systems leider nicht nachvollziehen kann.

Die Anleitung bezieht sich auf Fedora 16 als Host-System, sollte aber auch mit jedem anderen Linux-Derivat funktionieren, auf dem mindestens die Version 4.1 von VirtualBox zur Verfügung steht.

Und los geht’s

1. VirtualBox installieren

Sofern VirtualBox noch nicht installiert ist, lässt sich dies entweder mit

yum install VirtualBox

nachholen, oder aber man lädt das aktuelle Paket von der VirtualBox-Homepage und installiert dieses gemäss den Anweisungen.

2. Ermitteln der Windows-Partition

im nächsten Schritt ermitteln wir die Festplatten-Partition, auf der unser Windows-System installiert ist. Dazu führen wir als root-User folgenden Befehl aus:

fdisk -l (bei dem -l handelt es sich um ein ‘kleines L’)

Die Ausgabe könnte in etwa so aussehen:


Disk /dev/sdb: 200.0 GB, 200049647616 bytes
Gerät boot. Anfang Ende Blöcke Id System
/dev/sdb1 2048 13942783 6970368 27 Hidden NTFS WinRE
/dev/sdb2 * 13942784 390719487 188388352 7 HPFS/NTFS/exFAT

Disk /dev/sda: 320.1 GB, 320071851520 bytes
Gerät boot. Anfang Ende Blöcke Id System
/dev/sda1 * 63 1638462 819200 83 Linux
/dev/sda2 1638463 127467582 62914560 83 Linux
/dev/sda3 127467583 144244798 8388608 82 Linux Swap
/dev/sda4 144247635 625137344 240444855 5 Erweiterte
/dev/sda5 144247698 625136529 240444416 83 Linux

Hier interessiert uns die Partition mit der Id 7 – in unserem Fall also /dev/sdb2 mit dem bereits installierten Windows-System.

3. Erstellen einer virtuellen Partition

In einem Terminal-Fenster richten wir für unser Windows-Gastsystem mit folgendem Befehl eine virtuelle Partition ein:

VBoxManage internalcommands createrawvmdk -filename ~/.VirtualBox/vista.vmdk -rawdisk /dev/sdb -partitions 2 -relative

Bedeutung der Parameter:

  • -filename ~/.VirtualBox/vista.vmdk: Pfadname zur virtuellen Partition
  • -rawdisk /dev/sdb: Gerätename der Platte mit der Windows-Partition
  • -partitions 2: Nummer der Partition auf der Platte

Unbedingt darauf achten, dass beim Parameter -rawdisk nicht die Partition sondern nur die Festplatte angegeben wird!

4. Windows-Gastsystem in VirtualBox erstellen

Jetzt starten wir über die GUI den VirtualBox-Manager und erstellen mit dem Button Neu eine neue virtuelle Maschine:

Im Fenster VM-Name und BS-Typ vergeben wir einen Namen für das Gastsystem und wählen das passende Betriebssystem aus.
Im Fenster Virtuelle Festplatte wählt man zuerst Festplatte benutzen und im darunter stehenden Auswahlfeld die zuvor erstellte virtuelle Partition:

Im nächsten Fenster wird mittels des Buttons Erzeugen eine neue virtuelle Maschine erstellt.

5. Konfiguration der virtuellen Maschine

Bevor man die VM startet, sind noch einige Änderungen an der Konfiguration erforderlich:

  • System / Hauptplatine:
    Haken bei IO-Apic aktivieren und Absolutes Zeigegerät aktivieren setzen
  • System / Prozessor:
    bei Mehrprozessor-Systemen die Anzahl der verfügbaren Prozessoren für die VM angeben
  • Netzwerk / Adapter 1:
    - Netzwerkadapter aktivieren
    - Angeschlossen an: NAT
    - Mac-Adresse: hier muss unbedingt die echte Mac-Adresse des vorhandenen Netzwerk-Adapters eingetragen werden (zu ermitteln mit ‘ifconfig’). Andere Angaben führen unweigerlich zu Problemen bei Netzwerk-Zugriffen!
  • USB:
    wenn USB-Geräte auch in der VM zur Verfügung stehen sollen, müssen diese zuerst unter Linux angeschlossen und anschliessend in VirtualBox bekannt gegeben werden. Hier ein Beispiel anhand eines iPhones:
    - iPhone am USB-Port anschliessen und warten, bis Linux das Telefon erkannt hat
    - neben dem Fenster Filter für USB-Geräte den Plus-Button betätigen
    - im Auswahlfeld Apple Inc. iPhone [xxxx] wählen
    - Konfiguration mit dem OK-Button speichern
    - iPhone vom USB-Port trennen

    Nach dem Start der VM und erneuter Verbindung mit dem USB-Port lässt sich das iPhone problemlos in iTunes konfigurieren und synchronisieren.

6. Starten und Beenden der VM

Das Gastsystem wird im VirtualBox-Manager über den Button Start gestartet. Nach einiger Zeit sollte – je nach Konfiguration des Gastsystems – entweder die Windows-Oberfläche oder der Login-Dialog erscheinen. Anschliessend steht das Windows-System wie gewohnt zur Verfügung.
Nachstehend ein Screenshot der iTunes-Anwendung in der VM:

Abschliessend noch ein Hinweis zur Beendigung des virtuellen Systems:

das Gastsystem immer über die Windows-Funktion Start -> Herunterfahren -> Herunterfahren beenden, da das sofortige Schliessen des VM-Fensters Windows u.U. in einem undefinierten Zustand hinterlässt und bei einem erneuten Start unerwartete Probleme auftreten können.

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