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Vom Atlantik zum Mittelmeer

Eine Reise durch die Pyrenäen

Wegen der unübersichtlichen politischen Lage in Nordafrika mussten wir uns kurzfristig für eine Alternative zur geplanten Reise durch Algerien und Süd-Tunesien entscheiden. Aber welche Gebiete bieten sich im September/Oktober in Europa an, wenn man die Nächte im Dachzelt verbringt und nicht jeden Morgen durchgefroren und klamm aufwachen möchte?

Nach einiger Überlegung haben wir uns für eine schon vor Jahren geplante Reise quer durch die Pyrenäen entschieden. Anfang September ist es am Atlantik noch angenehm warm und die Südseite der Pyrenäen überzeugt bis Anfang Oktober durchweg noch mit heissen Temperaturen. Also heisst es am 3. September ‘Auto packen’, mit einem tränenden Auge auf’s diesjährige Buschtaxi-Treffen zu verzichten und Richtung Süd-Frankreich starten.

Über Köln – Aachen – Liège – Valenciennes – Paris – Bordeaux geht es in 12 Stunden nach Saint-Girons Plage an der französischen Atlantik-Küste. Den bei Surfern beliebten Campingplatz ‘Les Tourterelles’ (13,80 €) kennen wir bereits von früheren Reisen. Trotz hunderter Jugendlicher, die hier ihre ersten Wellenreiter-Erfahrungen sammeln, ist es angenehm ruhig auf dem Platz. Bevor wir unsere Pyrenäen-Tour starten, wollen wir hier noch einige Tage relaxen. Da sowohl die Bar auf dem Platz als auch einige Lokale im Dorf wider Erwarten immer noch geöffnet haben, fallen wir auch jeden Abend in einen erholsamen Tiefschlaf ;-)

Nach einer knappen Woche Erholung soll es aber endlich losgehen. Ich habe bereits im Vorfeld eine Route für unsere Atlantik-Mittelmeer-Passage ausgearbeitet, zu der man in der Link-Liste am Ende meines Artikels und in der rechten Info-Spalte alle wichtigen Informationen findet (Tracks für TTQV/Fugawi/Google-Earth, Campingplätze, Sehenswürdigkeiten, usw.).

Eines allerdings vorweg: wer Infos über Offroad-Strecken erwartet, wird bis auf eine Ausnahme enttäuscht sein. Alle im Anhang genannten Tracks wurden ‘bereinigt’, d.h. es sind nur die Strassen-Abschnitte ohne Pisten enthalten.
Eine Begründung für die Bereinigung findet man hier.

Die gesamte Route (ca. 1.300 km) verläuft bis auf wenige Kilometer nur auf kleinen, kurvenreichen Nebenstrassen, an denen uns an manchen Tagen nur 2-3 Autos begegnet sind. Da die Durchschnittsgeschwindigkeit auf diesen Strecken bei max. 30 km/h liegt, haben wir die Tagesetappen mit wenigen Ausnahmen auf ca. 100 km begrenzt, damit auch genügend Zeit für Besichtigungen, Pausen und Einkehr in so mancher Borda, Bodega, Restaurant oder Bar bleibt.
Der gesamte Streckenverlauf erfordert allerdings ‘kurvenfeste’ und manchmal auch schwindelfreie Beifahrer/innen, vor allem, wenn es direkt neben der Fahrbahnbegrenzung – sofern überhaupt vorhanden – einige hundert Meter senkrecht in die Tiefe geht. Zur Vorbeugung empfehlen sich die einschlägig bekannten Beutel einer Airline eurer Wahl ;-)

Die bei den Campingplätzen in Klammern angegebenen Preise beziehen sich immer auf einen Stellplatz incl. Auto und 2 Personen pro Nacht.

Noch ein Tipp: jede Tankstelle und als Selbstverpfleger jede Einkaufsmöglichkeit – vor allem in Spanien – nutzen, da diese auf der gesamten Strecke ziemlich rar sind.

Und los geht’s!

1. Etappe – von Vieux Boucau nach Sare (66 km)

Nach einem Einkauf im Supermarkt starten wir in Richtung Sare (“L’un des plus beaux villages de France”) im Baskenland. Dort findet jedes Jahr am zweiten September-Wochenende ein riesiges Fest statt. Es erinnert teilweise an den Karneval im Rheinland mit geschmückten Wagen, verkleideten ‘Jecken’, einem Umzug, Kirmes und anschl. grosser Fète in der gesamten Stadt.
Auf dem Weg dorthin passieren wir viele schöne baskische Dörfer. Ein Einheimischer erzählt uns ganz stolz, dass diese Region des Pays Basque dem Alpenvorland um Garmisch-Partenkirchen ähnelt.

Wir finden einen Stellplatz auf dem kleinen, aber landschaftlich wunderschön gelegenem Camping ‘La petite Rhune’ (15,00 €) oberhalb von Sare und gehen nach dem Aufbau des Dachzeltes über einen alten Schmugglerpfad hinunter ins Dorf zur ‘Grande Fète’.


Sare (Pays Basque)

Die Bevölkerung der gesamten Umgebung ist hier auf den Beinen und an ein Abendessen in den div. Restaurants ist beim besten Willen nicht zu denken. Nachdem wir einigen sportlichen, speziell baskischen Darbietungen zugesehen haben (ähnlich den Highland-Games in Schottland), entschliessen wir uns, das Abendessen im ‘Restaurant Pikassaria’ gegenüber vom Campingplatz einzunehmen. Ein Vier-Gänge-Menü – zwar nicht besonders preiswert – aber u.a. Gambas von aller bester Qualität.
Ein vielversprechender Anfang unserer Tour!



2. Etappe – von Sare nach Lumbier (220 km)

Heute steht die längste Etappe auf dem Programm. Wir wollen ja schliesslich auf die Südseite der Pyrenäen.
Wir folgen der D4 Richtung Dancharia an der spanischen Grenze. Ausser der Möglichkeit in den zahlreichen Supermärkten und Tankstellen nochmals die Vorräte aufzustocken, gibt es nicht viel zu sehen. Die N-121B führt uns auf den ersten Pyrenäen-Pass, den Puerto de Otxondo. Auf dem Scheitelpunkt (N 43°14,2’ – W 1°29,655’) führt eine 15 km lange Stichstrasse zum Pico Gorramakil auf 1.090 m Höhe. Unterwegs begegnet man immer wieder den neugierigen Pottocks. Der Gipfel bietet sich für ein Picknick mit schöner Aussicht auf die umliegende Bergwelt an.
Die landschaftlich schöne Strecke führt weiter über Erratzu und Étienne-de-Baigorry nach Aldudes. Kurz hinter dem Ort biegen wir rechts ab auf die D58. Vorbei am teils ausgetrockneten Stausee Embalse de Eugi erreichen wir das auf einer Hochebene gelegene Ezcaroz. Die nächsten 25 km begleiten uns ausgedehnte Buchen- und Kieferwälder im Salazar Tal bevor wir nach weiteren 25 km unser heutiges Ziel, den ‘Camping Iturbero’ (19,00 €) in Lumbier erreichen. Die Stadt selbst hat ausser einem hübschen Rathausplatz nichts Nennenswertes zu bieten.

Uns interessiert in erster Linie die etwa 1,5 km vom Campingplatz entfernte Schlucht Foz de Lumbier. Ein Spazierweg beginnt am Parkplatz vor der Schlucht und durchquert diese auf 2 km Länge. Früher verlief eine Eisenbahnlinie durch das Tal und verband Lumbier mit Pamplona.
Neben den bizarren Felsformationen beeindrucken vor allem die zahlreichen Gänsegeier, die ständig über uns kreisen.
Die Wanderung sollte man in die frühen Morgenstunden legen, denn ab Mittag brennt die Sonne unerbärmlich.




3. Etappe – von Lumbier nach Zuriza (100 km)

Nach einem kurzen Frühstück brechen wir auf in Richtung Pamplona. Ca. 4 km weiter biegen wir ab auf die N-240, Richtung Jaca entlang des Stausees Embalse de Yesa, der zu dieser Jahreszeit allerdings wenig Wasser führt. Am Ende des Sees, bei der Abzweigung auf die N-137 bieten sich direkt am Ufer zahlreiche Gelegenheiten für ein Picknick.
Wir folgen weiterhin der N-240 und biegen nach 15 km in Canal de Berdún links ab ins Valle de Ansó, eines der schönsten und abwechslungsreichsten Täler der Pyrenäen. Kurz hinter dem Dorf Biniés verengt sich das Teil zu einer Schlucht mit senkrechten Felswänden. Auch hier kann man zahlreiche Gänsegeier beobachten. Wir folgen dem Fluss Veral, vorbei an Ansó, dem Hauptort des Tals bis zu unserem heutigen Ziel, dem wunderschön im Talkessel gelegenen Camping Zuriza. Auf dem Weg dorthin laden drei Bordas mit landestypischen Spezialitäten zu einer Einkehr ein.

Die herrliche Landschaft, das freundliche Personal und die leckeren Menüs im Restaurant des Campingplatzes machen die Entscheidung leicht: hier bleiben wir ein paar Tage.


Der Campingplatz und das oberhalb gelegene Refugio de Linza bieten sich als Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen in dieser grandiosen Gebirgslandschaft rund um die Meseta de los Tres Reyes an.




4. Etappe – von Zuriza nach Torla (160 km)

Hier oben wären wir gerne noch ein paar Tage geblieben. Aber bis zum Mittelmeer ist es noch weit und auf dem Weg dorthin gibt es noch Vieles zu erkunden.
Wie zum Beispiel das Valle de Hecho. Wenn man in Hecho, dem Hauptort des Tales Richtung Norden fährt, trifft man kurz hinter Siresa auf den Höllenschlund, in dem die Strasse in die Felswände geschlagen wurde. Jetzt weitet sich das Tal und am Fluss findet man zahlreiche Plätze, die sich hervoragend für eine geruhsame Rast eignen. Etwas weiter nördlich folgen wir der Beschilderung zum Camping Borda Bisaltico. Von hier aus führt eine Schotterpiste in das weite Tal Selva de Oza.

Unsere Reise führt uns weiter von Hecho über die HU-212 ins Tal von Canfranc. Kurz hinter Borau wenden wir uns auf der N-330 Richtung Norden. Wir wollen den berühmten Bahnhof Canfranc-Estación besuchen.




Den Grundstein legte König Alfonso XII. bereits 1882. Als der Bahnhof 1928 eingeweiht wurde, war mit dem imposanten Gebäude und einem 200m langen Bahnsteig einer der grössten Bahnhöfe Europas entstanden. Marmortreppen, eine feudale Bar, ein Nobelhotel sowie kunstvolle Ornamente und stilvolle Beleuchtung zeugten nicht unbedingt von einem Gebirgsbahnhof.
Aber durch den zunehmenden Auto-Verkehr verlor die Bahnstrecke zwischen Spanien und Frankreich immer mehr an Bedeutung, bis der Zugverkehr Richtung Frankreich 1970 nach einem Brückeneinsturz eingestellt wurde. Seitdem wurde der Prachtbau dem Verfall preisgegeben. In letzter Zeit hat sich ein Investor gefunden, der bereits die ersten Restaurationsarbeiten in die Wege geleitet hat. Vielleicht erstrahlt das imposante Bauwerk in einigen Jahren als Wellnes-Hotel in neuem Glanz.

Wir verlassen diesen traurigen Platz in südlicher Richtung nach Jaca. Eine der grössten Gemeinden der spanischen Pyrenäen hat sich bereits dreimal für die Olympischen Winterspiele beworben – leider vergebens. Wir nutzen einen der Supermärkte, um unsere Vorräte aufzustocken. Hinter Sabiñánigo führt uns die N-260 durch das Valle de Tena in den Ordesa-Nationalpark. Auf dieser Strecke passieren wir den kleinen Ort Biescas, der 1996 traurigen Weltruhm erlangte. Bei einem Unwetter hatten sich gewaltige Wassermassen oberhalb des Campingplatzes Las Nievas aufgestaut. Als der Wall brach, begrub eine riesige Flutwelle mit Schlamm und Geröll den Platz. Über 80 Menschen konnten nur noch tot geborgen werden.

Über den Puerto de Portalet erreichen wir – teilweise eingesäumt von über 3.000 m hohen Bergen – unser heutiges Etappenziel: Torla.

Als Tor zum Nationalpark lebt der Ort vorwiegend vom Tourismus. Trotz der vielen Hotels, Restaurants, Bars und Boutiquen behielt der Ort seinen dörflichen Charakter.
Wir schlagen unser Quartier auf dem unterhalb gelegenen ‘Camping Río Ara’ (16,50 €) auf. Die französisch sprechende Inhaberin (die erste in Spanien!) begrüsst uns auf’s Herzlichste. Nach dem routinemässig ablaufenden Dachzeltaufbau, der obligatorischen Dusche und einer kurzen Siesta auf dem liebevoll gestalteten Platz “klettern” wir über einen kurzen, aber steilen Hohlweg direkt ins Zentrum. Wir bummeln durch die verwinkelten Gassen, “schiessen” ein paar Fotos und lassen uns von einem vorzüglichen “cena” verwöhnen.



Der Ordesa-Nationalpark
Der bereits 1918 gegründete Park zählt wohl zu den Beeindruckendsten in ganz Europa. Ursprünglich als Schutzzone für den vom Aussterben bedrohten Pyrenäen-Steinbock gedacht, wurde der Park im Laufe der Jahre auf eine Fläche von ca. 160 Quadratkilometern ausgeweitet. Diese faszinierende Bergwelt rund um den 3.355 m hohen Monte Perdido ist eine der grössten Sehenswürdigkeiten der spanischen Pyrenäen. Eine genaue Beschreibung erspare ich mir hier. Dieses Naturschauspiel möge der geneigte Leser selbst erkunden und geniessen.


Hier einige Tipps für mögliche Ausflüge:

  • Valle de Ordesa:


    in dem von Gletschern geschaffenen Tal mit bis zu 1.000 m hohen Felswänden ist der Wasserfall Cola de Caballo unser Ziel.
    Etwa 8 km nördlich von Torla führt ein 20 km langer Wanderweg zum Wasserfall und wieder zurück. Kurz hinter einem ehemaligen Parkplatz biegt man rechts Richtung Senda Cazadores. Die nächsten zwei Stunden geht es sehr steil bergan – der anstrengendste Teil dieser Wanderung.
    Anschliessend verläuft der Weg durch Kiefernwälder und über Bergwiesen und entschädigt uns mit grandiosen Ausblicken für die Anstrenungen des Aufstiegs. Nach ungefähr vier Stunden erreicht man den Wasserfall. Von hier geht es neben dem Flussbett gemütlich zurück zum Ausgangspunkt.

    Für die gesamte Strecke sollte man, je nach Kondition, sechs bis acht Stunden einplanen.

  • Valle de Añisclo:


    Wir starten von Torla aus Richtung Sarvisé (N-260) und biegen dort auf die HU-631 ab. Nach weiteren 20 km erreicht man die gewaltige Schlucht.

    Der 17 km lange Wanderweg überwindet bis zum Ende der Schlucht 1.200 Höhenmeter. Diese etwa 8-stündige Wanderung sollte man in den frühen Morgenstunden beginnen, da die Temperaturen selbst im Spätsommer im Laufe des Tages enorm steigen.

  • Valle de Pineta:


    Ab Bielsa führt eine 15 km lange Strasse am Río Cinca entlang bis zum Fuss des Monte Perdido. Die gewaltigen Wasserfälle und mehrere Dreitausender mit schneebedeckten Gipfeln bieten ein spektakuläres Naturschauspiel.

    Im Talkessel ist unweit vom Hotel Parador sogar Wildcampen am gegenüber liegenden Flussufer erlaubt!

  • Ainsa:


    Vom modernen unteren Teil der Stadt sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die Altstadt von Ainsa mit der von Arkaden gesäumten Plaza Mayor zählt zu den schönsten des Hoch-Aragón.
    Hier findet man auch mehrere gute Restaurants. Mein Tipp: Bodegas del Sobrarbe mit mittelalterlichem Gewölbe und einer schönen Terasse.



5. Etappe – von Torla nach La Puebla de Roda (115 km)


La Puebla de Roda



6. Etappe – von La Puebla de Roda ins Vall de Boí (50 km)



7. Etappe – von Boí nach Talarn (65 km)

Diese Etappen-Beschreibung verkneife ich mir lieber. Die Strecke selbst hat nichts Aussergewöhnliches zu bieten und der Campingplatz am südlichen Zipfel des Embalse de Talarn ist m.E. ein absolutes “No-Go” – vergammelte Sanitär-Anlagen, unfreundliches Personal, usw.
Wer noch genügend Zeit hat, sollte diesen Platz meiden und der nächsten Route Richtung Andorra folgen.



8. Etappe – von Talarn nach Andorra (100 km)

Heute ist Andorra das Ziel – allerdings etwas abseits der hinlänglich bekannten Routen.
Wir starten gegen 11:00 Uhr am Embalse de Talarn und folgen ab La Pobla de Segur der N260 Richtung Sort, einem bei Kanuten und Rafting-Begeisterten äusserst beliebtem Gebiet. Die Einwohner sind jedenfalls davon überzeugt, dass ihr Río Noguera Pallaresa die besten Möglichkeiten in ganz Europa bietet. Berühmt wurde der Ort allerdings durch den Lotto-Kiosk ‘Goldene Hexe’. Als sich die Anzahl grosser Gewinne häufte, glaubte man, die goldene Hexe sei dafür verantwortlich und nun strömten Abertausende in den Ort, um mit den hier erworbenen Losen das grosse Geld zu machen. Es hat anscheinend funktioniert, denn etliche Millionen haben mit den dort erworbenen Losen den Besitzer gewechselt und einer der grössten Jackpots der spanischen Lotterie wurde hier ‘geknackt’. Vielleicht liegt’s am Ortsnamen – ‘Sort’ bedeutet in der katalanischen Übersetzung ‘Glück’.
Da ich nicht an dieses Glück glaube, verlassen wir den Ort ohne Lotterie-Los auf der C13 Richtung Vielha und biegen nach ca. 14km rechts ab Richtung Alins.
Und jetzt kommt die versprochene Offroad-Strecke: in der Dorfmitte von Alins biegen wir erneut rechts ab in ein unscheinbares Strässchen Richtung Noris und Tor.





Aber bitte nicht mit einem solchen Truck – der bleibt unweigerlich an den Felsen hängen!

Die ersten paar Kilometer sind eine 2m breite Beton-Spur bevor sich die Schotterpiste auf 18km bis auf den 2.300m hohen Port de Cabús hochschlängelt. Zwischendurch gibt es einen direkt am Gebirgsbach gelegenen Picknick-Platz (WP), der sich für eine kurze Rast anbietet. Auf der Strecke bieten sich ständig traumhafte Ausblicke auf das Tal und die umgebenden Berge.
Aber Vorsicht, hinter jeder Kurve könnten einige der zahllosen, frei lebenden Pferde für eine Überraschung sorgen.

Hinter dem Pass erwartet uns eine breit ausgebaute Strasse. Andorras Regierung baut zunehmend auf den Tourismus und hat hier oben zahlreiche Ski-Pisten anlegen lassen. Wir folgen der breiten Abfahrt und richten kurz hinter Pal auf dem Campingplatz ‘Xixerella Parc’ (19,00 €) unser heutiges Nachtquartier ein. Da sich die Preise im nebenan gelegenen Restaurant in astronomischen Höhen bewegen, ist heute nochmals Selbstversorgung angesagt. Wir sind etwas verwöhnt durch die günstigen Preisen eines 3-Gänge-Menüs (ca. 14,00-17,00 €, incl. Wein u. Kaffee) während der letzten Tage.



9. Etappe – von Andorra nach Prades (215 km)

Nach einem spärlichen Frühstück (Kaffee und Kekse) steht ‘Shopping’ in Andorra La Vella auf dem Programm. In der Stadt ist angenehm wenig los und wir finden auf Anhieb einen schattigen Parkplatz mitten in der City. Die nächsten zweieinhalb Stunden verbringen wir mit einem gemütlichen Einkaufsbummel bevor es nach dem obligatorischen Tankstop (280 ltr. Diesel für 303,00 €) weiter Richtung La Seu d’Urgell geht. Unser heutiges Ziel ist der Camping Moli de Fornols und vor allem das Restaurant ‘Cal Ton’, in dem die Chefin die leckersten katalanischen Spezialitäten zu einem sagenhaften Preis zubereitet. Die kurvenreiche Strecke verläuft wieder durch eine bezaubernde Landschaft mit zahlreichen Aussichtspunkten auf die umliegenden Berge.


Blick vom Mirador de la Trava

Unsere Shopping-Tour hat wohl doch etwas zu lange gedauert. Wir treffen erst gegen 15:30 beim Restaurant ein – leider schon geschlossen und auch der Campingplatz ist bereits in den Winterschlaf versunken. Mangels gescheitem Frühstück hängt der Magen schon in den ‘Kniekehlen’. Aber im nahegelegen Tuixén naht die Rettung. Schliesslich soll es dort fünf Restaurants geben und in Spanien ist dies eine normale Zeit für ein ausgedehntes Mittagsmahl. Weit gefehlt – wenn der Guide Michelin eine ‘silberne Zitrone’ vergeben würde, gebührt diese der dort ansässigen Gastronomie! Eine solch geballte Ansammlung an Unfreundlichkeit dürfte ihresgleichen suchen. Selbst in einer schäbigen Bar war der Wirt nicht bereit, uns ein Getränk zu verkaufen – das hätte ihn nur vom Kartenspiel mit einigen Einheimischen abgehalten. Das war der erste absolute Reinfall auf unserer Tour.
Da inzwischen ein heftiger Regen mit Hagelschauern eingesetzt hatte, beschlossen wir, diese Zeit lieber im Auto zu verbringen statt auf einem Campingplatz im strömenden Regen das Dachzelt aufzubauen. So ging es dann auf der C16, durch den Tunel de Cadi (horrende Maut), über Font-Romeu und Mont-Louis weiter Richtung Prades in Frankreich.

Dann der grosse Schreck: auf der langen, steilen Abfahrt von Mont-Louis Richtung Olette hatte ich nach einer kurzen Wartezeit an einer Baustellenampel plötzlich keinen Bremsdruck mehr. Und das trotz optimierter Bremsanlage und behutsamen Bremseinsatz auf Bergab-Passagen. Aber nach einer kurzen Pause und anschliessend überaus bremsschonender Fahrweise war das Problem gelöst.
Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde, immer noch leerem Magen und mangels Campingplatz, beschlossen wir, den Abstecher nach Villefranche-de-Conflent auszulassen und den Camping Municipal in Prades (11,50 €) anzusteuern.

Dort wurden wir wie alte Freunde begrüsst! Der Concièrge war begeistert von unserem J8, da er überwiegend nur ‘Yoghurt-Becher’ zu Gesicht bekommt.

Der fünfminütige Fussmarsch in die Stadt mit einem leckeren Abendessen im ‘Café de la Paix’ hat uns dann noch für die Unannehmlichkeiten dieses Tages entschädigt.



10. und letzte Etappe – von Prades nach Collioure (92 km)

Jetzt ist es also soweit – der letzte Tag unserer Pyrenäen-Tour ist angebrochen. Auf dem Weg zum Mittelmeer wollen wir aber noch einige Sehenswürdigkeiten besichtigen.

Im Tal der Têt, ca. 2 km südlich von Prades, liegt eines der ältesten Benediktinerklöster in den französischen Pyrenäen: die um 870 gegründete Abbaye Saint-Michel-de-Cuxa. Nach der französischen Revolution wurden die letzten Mönche 1793 von Revolutionären vertrieben. Mit gravierenden Folgen: viele Säulen des Bauwerks wurden herausgerissen und beim Bau von Privathäusern verwendet; grosse Teile des Kreuzgangs in die USA gebracht, wo das Metropolitan Museum of Art sie am Hudson River wieder aufrichtete. Nachdem die Franzosen sich 1950 zur Restaurierung entschlossen, zogen die Benediktiner wieder ins Kloster ein.
Leider war die Abtei an diesem Tag für Besucher geschlossen.
Eine sehr ausführliche Dokumentation über das Kloster findet sich in Wikipedia.

Auf der Weiterfahrt machen wir einen Abstecher nach Eus, das man getrost zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählen darf. Das Auto parkt man am besten vor dem Ortseingang beim Café Le Lezard Vert (wunderbare Aussicht auf den Canigou) und erforscht die verwinkelten Gassen zu Fuss.
Nach einem vorzüglichen Mittagessen geht es weiter nach Thuir. Hier wird der in Frankreich berühmte Apéritiv Byrrh hergestellt. Die Attraktion der riesigen Weinkellerei im Zentrum bildet das grösste Eichenholzfass der Welt, das über eine Million Liter fasst!

Anschliessend geht es auf der N114 zügig nach Collioure an der Côte Vermeille. Da zu dieser Jahreszeit vom Massentourismus nicht mehr viel zu spüren ist, bleibt genügend Zeit und Muße, um das romantische Städtchen mit seinen engen Gassen, dem mittelalterlichen Schloss und den historischen Häusern zu erkunden.


Hier endet nun unser Reisebericht ‘Vom Atlantik zum Mittelmeer’. Wir werden, wie zu Beginn, noch einige Tage am Meer verbringen, bevor es wieder zurück in heimatliche Gefilde geht.



Nachstehend die Links zu den im Artikel genannten Campingplätzen, Restaurants und den ‘Tracks’.

Campingplätze (in chronologischer Reihenfolge):

Restaurants (in chronologischer Reihenfolge):

Tracks:

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Waypoints:

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Sonstiges:

Kommentare ( 1 )

  • 1
    Werner 24.02.2012 18:30

    Hallo Günter,

    sehr schöner Bericht und vielen Dank für die Bereitstellung der Tracks!
    Habe so manche Anregung für unsere nächste Pyrenäen-Tour erhalten.

    Gruss,
    Werner

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